Sommerzeit, Gartenzeit – Unfallquellen im Kleingarten

Aus PflegeBote #28 / 2016
Aus PflegeBote #28 / 2016

Der Garten ist die Oase der Ruhe und der Ort der Selbstversorgung mit Gemüse und Kräutern. Vielseitig ist er und vor allem das Freizeitziel Nummer 1 im Sommer. Vielfältig sind aber leider auch die Unfälle, zu denen es hier kommen kann. Beim Rasenmähen fährt man über die Zehen, beim Schneiden der Sträucher bekommt man einen Rosen-Stachel ins Auge. Die meisten Unfälle gehen glimpflich aus, aber schon ein kleiner Schnitt mit der Heckenschere in die Hand tut nicht nur höllisch weh, sondern kann auch ganz schön lästig sein, weil die Arbeit für eine ganze Weile nicht so gut „von der Hand“ gehen wird.

Nur etwa 1,9 Prozent der Menschen in der „Generation 55+“ halten Gartenarbeit für anstrengend. In der Altersgruppe 75+ sind es 3,5 Prozent. Das ergab eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Obstpflücken (Foto: Das Sichere Haus DSH)
Obstpflücken (Foto: Das Sichere Haus DSH)

Gleichzeitig aber, auch das ist ein Ergebnis der Studie, passiert etwa ein Viertel aller Unfälle älterer Menschen bei der Gartenarbeit. Bei den über 75-Jährigen sind es gut 30 Prozent. Damit steht die Gartenarbeit an der Spitze der Unfallarten. Heißt das, dass ältere Menschen nun unbedingt den „seniorengerechten“ Garten anlegen und ihre altvertrauten Pflanzen und Gehölze ersetzen sollten durch vielleicht ein Hochbeet und Spalierobst, weil die bequemer zu setzen, zu pflegen und abzuernten sind? „Nein“, sagt Helge Masch, Leiter des Botanischen Sondergartens in Hamburg-Wandsbek: Der Garten muss sich nicht unbedingt dem Gärtner anpassen. Umgekehrt funktioniert es viel besser – zum Beispiel dann, wenn der Gärtner sich in Ruhe ein paar grüne Gedanken durch den Kopf gehen lässt. Aber mehr als 200.000 Unfälle bei der Gartenarbeit in Deutschland werden im Jahr registriert, so die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Fast die Hälfte von ihnen sind Verletzungen mit scharfen oder spitzen Gegenständen, gefolgt von Stürzen von Leitern bei der Baumpflege oder Obsternte.

Gefährlich sind vor allem Stürze von der Leiter bei der Obsternte oder beim Baumschnitt. Die Gartenleitern sollten deshalb Leiterfußspitzen besitzen, damit sie nicht plötzlich wegrutschen. Vor allem sollten sie aber, wie in den eigenen vier Wänden, sicher aufgestellt sein und ordnungsgemäß benutzt werden. Aber die Trittleiter, die in der Küche gute Dienste leistet, ist für die Arbeiten im Garten in der Regel ungeeignet. Für Stabilität sorgt hier eine Leiter mit einer Bodentraverse. Sie bietet sicheren Stand bei der Arbeit an Sträuchern, Hecken und Bäumen und vermindert die Gefahr des Umkippens. Der Sturz von der Leiter kann unangenehme Folgen haben. Gut ist es, beim Kirschen- und Äpfelpflücken noch eine zweite Person dabei zu haben, die den Obstkorb abnimmt und im Zweifelsfall die Leiter absichert.

Gefährlich sind aber auch achtlos herumliegende Gartengeräte. Schnell bohren sich die Spitzen eines Rechens durch die Flip-Flops in den Fuß. „Um ernsthafte Verletzungen zu vermeiden, sollten Forken, Harken und andere scharfe oder spitze Werkzeuge gut sichtbar und möglichst außerhalb der Reichweite von Kindern abgestellt werden“, erklärt Dr. Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion Das sichere Haus (DSH).

Feste, geschlossene Schuhe mit Profilsohle sind ebenfalls ein Verletzungs-Hemmer und sollten bei der Gartenarbeit mit Spaten und Hacke den Sandalen vorgezogen werden.

Vor allem beim Umgang mit motorbetriebenen Geräten wie Heckenscheren, Rasentrimmer, Rasenmäher, Kettensägen oder Häckslern ist große Vorsicht geboten. Bei einem unsachgemäßen Gebrauch ist die Verletzungsgefahr besonders hoch. Vor der ersten Inbetriebnahme ist das Lesen der Gebrauchsanweisung Pflicht – nicht zuletzt um zu erfahren, welche Schutzausrüstung notwendig ist. „Vergewissern Sie sich außerdem, dass die Sicherheitsvorrichtungen an den Maschinen intakt und vollständig sind“, rät Dr. Woelk.

Wie nun sieht der seniorengerechte Garten aus und was kommt bei den grünen Gedanken des Gärtners heraus? Die zentrale Überlegung ist dabei, ob man auch in ein paar Jahren noch Kraft und Lust hat, Kirschen und Äpfel zu ernten oder Efeu und wilden Wein an der Hauswand zu beschneiden. Bei einem „Nein“ ist die nächste Frage: Gibt es in der Familie oder Nachbarschaft Menschen, die das zuverlässig übernehmen können? Bin ich vielleicht sogar bereit, Geld für einen Fachmann auszugeben? Steht auch hier eher ein „Nein“, betreffen die weiteren Überlegungen nicht mehr nur den Gärtner, der mit seinem Garten alt werden will, sondern eigentlich auch den „faulen“ Gärtner – was gar nicht abwertend gemeint ist.

Denn dieser Gärtner hängt ebenso an seinen Blumen und Bäumen wie der Gartenenthusiast, der jede Pflanze beim Namen nennen kann. Nur eben anders. Dieser wie jener sollte wissen, „wie seine Pflanze tickt und ob das, was ich tue, eher der Pflanze dient oder meinem Bedürfnis, einen ordentlichen Garten oder überhaupt etwas zu werkeln zu haben“, so Masch. Funktioniert die Paarung Mensch/ Pflanze auf diese Weise, „kann ich mir viel Arbeit sparen und habe von der Gartenarbeit am nächsten Tag keine Rückenschmerzen“.| Bastian Schmidt

Der Artikel ist in der gedruckten Ausgabe #28 des PflegeBoten erschienen. Hier geht es zum PDF-Download. 

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