Märchen, Sagen, Legenden – Das Dornröschenschloss Sababurg

Sababurg (Foto: PflegeBote)
Sababurg (Foto: PflegeBote)

Es mochte dieser verwunschene Ort sein, in deren Turm die holde Prinzessin in ihren hundertjährigen Schlaf fiel, nachdem sie sich an einer Spindel stach. Dornröschen wurde durch den Kuss eines Prinzen erweckt, wir kennen das Märchen der Gebrüder Grimm. Selbst Brad Pitt war nach Nordhessen in den Reinhardswald geeilt, um sich vor Ort über das Märchen zu informieren, in dem seine Lebensgefährtin Angelina Jolie eine Rolle spielen sollte.

Dabei wissen wir alle, so weiß der ortskundige Burg-Führer zu berichten, Märchen entsprechen nicht der Wahrheit, denn Märchen haben sich niemals, nie, an einem Ort zu keiner Zeit zugetragen. Ab 1334 wurde die Sababurg erbaut, später zu einem Jagdschloss umgestaltet. Umgeben von dem Tierpark Sababurg, der einer der ersten war, die in Europa gegründet wurden. Seine Gründung geht auf das Jahr 1571 zurück. Vielleicht kommt daher auch die Idee zum Dornröschenschloss. Zu dieser Zeit soll eine 5km und 3m hohe Dornenhecke das Gebiet umschlossen haben, diese diente zum Schutz der eigenen Tierhaltung vor Wildtieren.

Das Märchen hat sich also hier nicht zugetragen, aber um die Entstehung der Sababurg, die im Landkreis Kassel gelegen ist, gibt es noch eine Sage und eine Legende.

PflegeBote #23-2014 (Ausgabe Berlin-Mitte)
PflegeBote #23-2014 (Ausgabe Berlin-Mitte)

Die Sage berichtet von drei Schwestern, den Töchtern des Riesen Kruko. Da Trendula den heidnischen Göttern treu blieb, kam es nach dem Tod des Vaters zu handfesten Auseinandersetzungen mit ihren beiden christlich getauften Schwestern Brama und Saba. Besonders Brama hatte unter ihrer Schwester Trendula schwer zu leiden und erblindete vom vielen Weinen. Die Schwestern ließen schließlich neue Burgen, die Sababurg und die Bramburg auf dem anderen Weserufer, bauen, um sich von ihrer Schwester zu trennen. Aus Zorn erwürgte Trendula ihre

Schwester Saba im Gebiet der Mordkammer (einem Waldstück bei Helmarshausen). Sie selbst wurde daraufhin im Bereich der Wolkenbrüche (tiefe Erdtrichter bei Trendelburg) vom Blitz erschlagen.

Und was haben wir über Sagen erfahren: Sagen, so erklärt der Burg-Führer, haben an einem bestimmten Ort, zu keiner Zeit niemals sich zugetragen.

Sababurg (Foto: PflegeBote)
Sababurg (Foto: PflegeBote)

Nachdem Märchen und Sage zur Entstehung der Sababurg ausgeschieden sind, bleibt nur noch die Legende von ihrer Entstehung. Die Sababurg gehört zu den wenigen mittelalterlichen Anlagen, deren Gründungsdatum tatsächlich bekannt ist. Am 19. April 1334, so ist einer Handwerkerrechnung zu entnehmen, wurde auf Geheiß des Erzbischofs zu Mainz mit dem Bau der „Zappaborgck“ (auch Zappenburg oder Zapfenburg genannt) begonnen. Die Anlage steht auf einer wenig bewaldeten Basaltkuppe auf etwa 315 m Höhe. Von der ferne sah dieser erloschene Vulkankegel aus, wie ein in die Erde gerammter Tannenzapfen, daher der Name. Die Burg war notwendig zum Schutz und Schirm der Pilger des nahen Wallfahrtsorts Gottsbüren, „wo 1330 der unverweste Leichnam Jesu gefunden worden sein soll“.

Der Legende nach gaben sich die Nonnen eines nahen Klosters zur Aufbesserung ihres Einkommens der käuflichen Liebe hin. Dies missfiel dem Bischof von Mainz, er forderte die Nonnen auf, sich eine andere Einnahmequelle zu suchen. Da den Nonnen eine der damals populären Reliquien zu teuer erschien, nutzte man die Gunst der Stunde. Ein zufällig verstorbener Reisender, der vom entfernten Mainz kam, wurde mit den Wundmahlen Jesus versehen und auf der anderen Seite der Weser auf einem Acker platziert, wo ihn die Bauern von Büren am nächsten Tag fanden. Geschickt hatten die Nonnen den Ort gewählt, da sie die Bauern von Büren für die dümmsten auf der Welt hielten. Schnell sprach sich herum, dass auf dem Acker bei Büren der Leichnam Jesus gefunden wurde. Der Ort nannte sich nun Gottsbüren und baute eine große Wahlfahrtskirche. Die Pilger kamen in Scharren. Der Erzbischof bemängelte die Übertreibung der Nonnen, ein ganzer Christus hätte es nicht seien müssen, aber das Geld floss und die Geschäfte mit den Gläubigen liefen gut.

Auf der Geschichte um Dornröschen basierend wurde der Walt Disney-Film „Maleficent – Die dunkle Fee“ gedreht mit Angelina Jolie in der Rolle der dunklen Fee. Der Fantasy-Film kam im Mai 2014 in Deutschland in die Kinos. Ihr Verlobter Brad Pitt besuchte kurz vor den Dreharbeiten die Sababurg, um sich einen Eindruck zu machen.

Die Legende selber hat an einem Ort, zu einer Zeit stattgefunden, nur deren Erzählung wurde mit der Zeit immer reichhaltiger.

Sababurg (Foto: PflegeBote)
Sababurg (Foto: PflegeBote)

Um 1490 wurde das Jagdschloss auf den Grundmauern der Ursprungsanlage errichtet. 300 Jahre lang diente sie den Landgrafen von Hessen als Ort für Gesellschaften und Feste. Im 19. Jahrhundert dann unter preußischer Verwaltung wurde das Jagdschloss nicht mehr benötigt. Die Einrichtung und die hölzerne Deckenkonstruktion wurden auf andere Schlösser verteilt. Das Schloss, umwuchert von Efeu, fiel in einen Schlaf, der es zu dem Ort machte, wo Dornröschen gelebt haben soll. Erst 100 Jahre später 1957 wurde es wachgeküsst und restauriert.

Heute befinden sich in der Sababurg ein Hotel, ein Restaurant, ein Theater und eine Außenstelle des Standesamtes. Ein Ort für Märchenhochzeiten. Das große herzförmige Schloss, stammt aber aus Köln. Es wurde dort auf der Rheinbrücke als größter Liebesbeweis aufgestellt. Der Bahn war es aber deutlich zu groß und zu schwer, um am Brückengeländer befestigt zu sein, sie drohte mit der Entfernung. Die Liebenden brachten es auf die Sababurg, aber das ist ein anderes Märchen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute… | Jörg Wachsmuth

Nach langem Warten wird einem König endlich eine Tochter geboren. Aus Freude darüber lädt er seine Untertanen zu einem Fest, darunter auch zwölf Feen. Die dreizehnte, die aus Mangel an goldenen Geschirr nicht zur Taufe der Königstochter eingeladen wurde, belegt das Mädchen mit einem Fluch, dass es sich an seinem fünfzehnten Geburtstag an einer Spindel stechen und daran sterben solle. Eine der übrigen Feen, wandelt den Todesfluch in einen hundertjährigen Schlaf um, woraufhin der König alle Spindeln verbrennen lässt.
An ihrem fünfzehnten Geburtstag erkundet sie ein Turmzimmer, in dem sie eine alte Frau beim Spinnen entdeckt. Die Prinzessin will es versuchen und sticht sich mit der Spindel in den Finger. Sie fällt gemeinsam mit dem gesamten Hofstaat in einen tiefen Schlaf. Das Schloss wird von einer undurchdringlichen Dornenhecke umringt, die sich nach hundert Jahren in Rosen verwandeln. Erst an diesem Tag gelingt es einem Prinzen, die Königstochter und den Hofstaat durch einen Kuss aufzuwecken. Dornröschen und der Prinz heiraten.

aus PflegeBote #23 – 2014