Vor 50 Jahren… Die neue Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche wird geweiht

[PflegeBote] Vier neue Baukörper stehen am Breitscheidplatz um die Ruine der alten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche: die neue Kirche, der Glockenturm, die Kapelle und das Foyer. Sie nehmen die Turmruine der alten Kirche gleichsam in ihre Mitte und stellen somit eine Einheit zwischen Altem und Neuem her. Zwei dieser neuen Baukörper wurden am 17. Dezember 1961 unter großer Anteilnahme der Berliner Bevölkerung eingeweiht. Landesbischof Otto Dibelius persönlich segnete beim ersten Gottesdienst die neue Kirche und den Glockenturm. Viele Menschen, die an diesem Tag zum ersten Mal die neue Kirche betraten, waren überwältigt von den blau schimmernden Betonglaswänden des achteckigen Raumes. Der französische Glaskünstler Gabriel Loire hatte für die Gedächtniskirche mehr als 20.000 einzelne kleine Glasfenster herstellen und in Betongitter einfügen lassen. Die Kirchenbesucher äußerten sich begeistert von der dadurch entstehenden Atmosphäre und von der unerwarteten Ruhe im Inneren trotz der Nähe der belebten Straßen.

Ungeachtet aller Freude über die Einweihung stand die feierliche Veranstaltung dennoch im Schatten eines dramatischen weltpolitischen Ereignisses: Gut vier Monate war es erst her, dass auf Befehl Walter Ulbrichts die DDR zwischen Ost-Berlin und West-Berlin eine Mauer bauen ließ. So war es auch wenig verwunderlich, dass die Berliner Mauer in der Predigt von Bischof Dibelius thematisiert und scharf verurteilt wurde. Nach der Predigt überreichte der Bischof im Beisein von Willy Brandt, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, und Prinz Louis Ferdinand von Hohenzollern den Kirchenschlüssel an den Pfarrer der Gedächtniskirche, Günter Pohl.

Dem Neubau der Kirche vorausgegangen war eine teilweise erbittert geführte Auseinandersetzung um den Erhalt der Turmruine. Der mit dem Bau der neuen Gedächtniskirche beauftragte Stararchitekt Egon Eiermann wollte die Ruine eigentlich abreißen. Viele Berliner – unterstützt von regionalen, aber auch internationalen Medien – stemmten sich dagegen. Der „Tagesspiegel“ beispielsweise druckte eines Tages einen Stimmzettel ab. Er sollte zur Klärung in dieser alle Berliner angehenden Angelegenheit beitragen. Knapp zwölftausend Leser füllten ihn aus, und über 90 Prozent stimmten für die Erhaltung des Turmes. Die Anregung der Zeitung, die Turmruine zu erhalten und ihr direkt gegenüber den Entwurf von Eiermann zu errichten, wurde allerdings nur von 30 Prozent bejaht.

Unter dem Druck der Öffentlichkeit knickte Egon Eiermann ein. Sein neuer Entwurf platzierte Altes und Neues nebeneinander. Ob sein legendärer Satz: „Meine Kirche könnte in jeder Stadt stehen, aber mit der Turmruine verbunden ist sie ein einmaliges, nur in Berlin mögliches Bauwerk“ das Ergebnis persönlicher Einsicht ist oder Resultat permanenten Widerstands gegen die Urfassung, wird für immer sein Geheimnis bleiben.
Innerhalb der Kirchengemeinde der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen des neues Ensembles selbstverständlich ein bedeutendes Ereignis. Gut besuchte Veranstaltungen sind zurzeit die dienstags stattfindenden „Kapellengespräche“. Gleich zweimal steht in diesem Herbst das Jubiläum im Mittelpunkt, wenn Pfarrer Martin Germer mit früheren Pfarrer/innen wie Kurt Soppa, Sylvia von Kekulé, Horst Gunter und Erwin Gerlach in launiger Atmosphäre Erinnerungen an 50 Jahre neuer Gedächtniskirche wach werden lässt. Ob Mauerbau, 750-Jahrfeier Berlins, Maueröffnung, Irak-Krieg oder Gedenkgottesdienste für Berliner Persönlichkeiten wie Hildegard Knef, Günter Pfitzmann oder Harald Juhnke – die Gedächtniskirche im Herzen Berlins lebt immer im Bewusstsein, Ort der Mahnung, Ort der Versöhnung und Ort der feierlichen Andacht zu sein. | Michael von Finckenstein


Die ursprüngliche Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wurde am 1. September 1895 eingeweiht. Auf Anregung Kaiser Wilhelms II. wurde sie als ehrendes Denkmal für Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) errichtet, was sich auch in der Namensgebung des Kirchenbaus niederschlug. Sie entstand nach einem Entwurf von Franz Schwechten, der in Berlin bereits durch den Bau des Anhalter Bahnhofs Ansehen erreicht hatte. Der neoromanische Bau der alten Gedächtniskirche mit seinen charakteristischen fünf Türmen wirkte beeindruckend monumental. Die Kirche wurde um das Jahr 1900 zum Vorbild für viele weitere Kirchenbauten in Deutschland.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche im November 1943 bei einem Bombenangriff zerstört. Die nicht abgetragene Turmruine wurde sehr schnell zum Mahnmal und später zum Wahrzeichen von West-Berlin.

(aus PflegeBote #11 – Dezember 2011 / Januar 2012 – Berlin)

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5 Responses to Vor 50 Jahren… Die neue Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche wird geweiht

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  3. Timm says:

    Das like Button Plugin waere eine tolle Erweiterung. Oder habe ich es nicht gefunden?

  4. Linus says:

    Beachtenswerter Blogpost.Habe ein paar gute Denkanstoesse bekommen. Freue mich schon auf weitere Beiträge.

  5. delve says:

    hi??

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