[PflegeBote] Kurz nach seinem 60. Geburtstag fand seine Ehefrau Wolfgang Niedecken hilflos am Boden liegend. Der Frontmann der populären Kölner Band BAP hatte einen Schlaganfall. Er war zuhause zusammengebrochen, wurde in die Kölner Uniklinik eingeliefert, auf die Intensivstation. Krankheit war für den Musiker bisher kein Problem, mit seiner Band BAP wollte er nur eine Woche später, noch im November 2011, auf eine bereits ausverkaufte Tour gehen. Die Termine wurden abgesagt und unbestimmt verschoben. Seine Frau und die beiden Töchter besuchen den Musiker nun fast täglich in der Klinik.
Wolfgang Niedecken ist das neueste prominente Opfer, aber er ist nur einer von 250.000 Deutschen, die jährlich einen Schlaganfall erleiden, etwa 60.000 Personen sterben infolge des Schlaganfalls. Erst kürzlich kehrte die Schauspielerin Gabi Köster in der Sendung „Stern TV“ wieder in die Öffentlichkeit zurück. Sie, die durch ihre Rolle als Supermarkt-Verkäuferin in der TV-Serie „Ritas Welt“ Millionen begeisterte, erlitt vor fünf Jahren einen schweren Schlaganfall, lag über längere Zeit in einem künstlichen Koma. Ihr Erlebnis mit der Krankheit hat sie in dem Buch „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ beschrieben.
Für Schlaganfall oder auch Gehirnschlag gibt es zahlreiche Fachbegriffe wie zerebraler Insult, apoplektischer Insult, Apoplexia cerebri, Ictus apoplecticus oder in der medizinischen Umgangssprache häufig verkürzend auch Apoplex oder Insult. Auch die Begriffe Stroke und Cerebrovascular accident (CVA) wurden aus dem Englischen übernommen.
Mit Schlaganfall wird eine plötzlich auftretende Erkrankung des Gehirns bezeichnet, die oft zu einem anhaltenden Ausfall von Funktionen des Zentralnervensystems führt und durch kritische Störungen der Blutversorgung des Gehirns verursacht wird. Dabei gibt es verschiedene Ursachen, z.B. durch ein Blutgerinnsel, das über die Blutbahnen ins Gehirn wandert und dort ein Gefäß verstopft. In der Folge kommt es zu einer Minderversorgung von Teilen des Gehirns mit Blut. Auch durch ein geplatztes Gehirngefäß, das eine Hirnblutung auslöst kann der Hirninfarkt auftreten.
Sowohl das geplatzte und auch das verstopfte Gefäß führt dazu, dass die Region hinter der Stelle nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt wird, es treten Lähmungen auf, im schlimmsten Fall sterben die Gehirnzellen in der Region ab.
Beim Schlaganfall kommt es auf Minuten an. Spezielle „Stroke Units“ in Krankenhäuser sind auf die Erkrankung eingerichtet, sollen bevorzugt angefahren werden. Umso schneller die Hilfe ist, umso größer sind die Heilungschancen. Immerhin ist der Schlaganfall inzwischen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Dabei kann ein Schlaganfall in jedem Lebensalter auftreten! Zwar ist etwa die Hälfte der Betroffenen bereits über 75 Jahre alt, aber noch mehr als 15% der Patienten sind jünger als 45 Jahre. Damit ist der Schlag auch die häufigste Ursache für eine dauerhafte Behinderung bei Erwachsenen. Tatsache ist leider auch, das 60% aller an einem Schlaganfall erkrankten Patienten, die den Schlaganfall überleben, auch nach einem Jahr noch auf Hilfe angewiesen sind.
Sicher ist das Schlaganfallrisiko bei Älteren deutlich höher, auch Schlaganfälle im familiären Umfeld und ein vorangegangener Schlaganfall sollten einen sensibleren Umgang mit den Risikofaktoren veranlassen. Es gibt zahlreiche beeinflussbare Risikofaktoren, zu denen Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Blutgerinnungsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Diabetes aber auch Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und erhöhter Alkoholkonsum gehören.
Der Schlaganfall selber tritt plötzlich, schlagartig auf. Anzeichen sind die Lähmung oder Taubheit meistens einer ganzen Körperseite, halbseitige Gesichtslähmungen mit daraus folgenden Schwierigkeiten beim Sprechen, Kauen und Schlucken. Der Mund ist dabei häufig schief. Es kann zu Sehstörungen wie Doppelbilder oder Gesichtsfeldausfälle mit Einschränkungen des Gesichtsfeldes kommen. Auch Sprech- und/oder Sprachstörungen, es wird „Kauderwelsch“ oder mit „schwerer Zunge“ gesprochen, sind ebenso Anzeichen, wie wenn der Patient seine Mitmenschen nicht mehr versteht und verwirrt wirkt. Es kann zu plötzlichem Schwindelgefühl und Gangstörungen kommen, unter Umständen begleitet durch heftigst einsetzende Kopfschmerzen.
Die Schlaganfall-Symptome können sich auch nach einigen Minuten vollständig zurückbilden. Solche so genannten transitorisch ischämischen Attacken (TIA) gehen oft einem großen Schlaganfall voraus und stellen daher einen absoluten Notfall dar. Auch hier sollte ein Arzt kontaktiert werden.
Es kommt auf die Zeit an, bis Hilfe eintrifft. Um den Schlaganfall zu erkennen, gibt es einen Schnelltest, der auch für Laien eine hohe Erkennungswahrscheinlichkeit hat. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall hilft der folgende Test, der von Ärzten in den USA entwickelt wurde und auch F-A-S-T-Test, also schnell genannt wird:
F (Face / Gesicht) Bitten Sie die Person, zu lächeln! – Damit kann eine einseitige Gesichtslähmung erkannt werden, das Gesicht wäre dann einseitig verzogen.
A (Arms / Arme) Bitten Sie die Person, beide Arme gemeinsam nach vorne zu heben, mit den Handflächen nach oben! – Bei einer einseitigen Lähmung kann einer der Arme nicht gleichmäßig mitgehoben werden. Er ist beispielsweise verdreht, kann überhaupt nicht oder nur unzureichend angehoben werden.
S (Speech / Sprache) Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz wie „Ich benötige keine Hilfe!“ nachzusprechen! – Damit können Sie Sprachprobleme erkennen, die sich in Verwaschenheit der Aussprache oder Artikulationsschwierigkeiten zeigen können.
T (Time / Zeit) Jetzt geht es um jede Minute! Sollte auch nur eines dieser Erkennungsmerkmale zutreffen, ist so schnell wie möglich medizinische Hilfe zu rufen.
Es sollte nicht nur der Krankenwagen, sondern möglichst auch ein Notarzt (Notruf 112) alarmiert werden. Wichtig ist es, den Verdacht auf Schlaganfall mitzuteilen. In manchen Städten wie Berlin gibt es spezielle „Stroke-Einheiten“, also Rettungswagen, die spezialisiert auf Schlaganfälle sind.
Auch bei optimaler Therapie kann es nach einem Schlaganfall zu Problemen der Motorik (Bewegung und Kontrolle des Armes und/oder des Beines), der Sprache, des Sehens oder des Gleichgewichtes kommen. Die Belastbarkeit der Betroffenen ist eingeschränkt und es bestehen auch Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit. Der Schlaganfall kann zu Angst und Irritation beim Betroffenen führen und verändert das Leben.
Aber dank seiner Anpassungsfähigkeit kann das Gehirn verlorene Funktionen durch Training zum Teil wieder neu erlernen. Diese Fähigkeit muss möglichst früh nach einem Schlaganfall mit Hilfe von Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Sprachtherapeuten und auch Neuropsychologen aktiviert werden. Durch ein intensives Üben und Aktivieren können sich die maximal erreichbaren Verbesserungen einstellen.
Hier hilft die neurologische Rehabilitation. Ein spezialisiertes Team trainiert die eingeschränkten Funktionen mit dem Ziel, eine höchstmögliche Selbstständigkeit zurückzugeben und zu helfen, den Schreck und die Hilflosigkeit gegenüber dem Geschehenen zu überwinden. Die Rehabilitation sollte schon durch das Akutkrankenhaus eingeleitet werden.
Für die Rehabilitation gibt es eine stationäre Behandlung, die eine vollständige Versorgung (Pflege, Essen, Schlafen) bereithält. Alternativ wird bei Gehfähigkeit und ausreichender Belastbarkeit eine ambulante Rehabilitation erfolgen, bei der der Patient über Tag trainieren, aber die Abende und Wochenenden zu Hause verbringen kann. So kann die Familie und die aktuellen Lebensbedingungen in die Behandlung einbezogen werden. | Jörg Wachsmuth
NOTRUF 112
Bei Verdacht auf Schlaganfall sofort den Rettungswagen rufen: Notruf 112!
Keine Scheu vor Fehlalarm!
Nicht warten!
Rettungswagen alarmieren und Verdacht auf akuten Schlaganfall äußern und den Standort möglichst genau nennen!
Beim Notruf nicht vorzeitig auflegen, das Gespräch beendet die Leitstelle!
Ärztlicher Notfalldienst ist kein Rettungsdienst!
Nicht allein mit dem Auto in die Klinik, sondern immer mit dem Rettungsdienst!
(aus PflegeBote #11 – Dezember 2011 / Januar 2012 – Berlin / Saarland)
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Tolle Ausfuehrungen! Ich werde mich damit mal intensiver beschäftigen! Warte auf die naechsten Beitraege!
Gefaellt mir gut der Blog. Schone Themenwahl.
Thanks for publishing this article. It is really helpful for me.
Als Versicherungsmakler habe ich bereits zwei solcher Fälle miterleben dürfen. Trotzdem gibt es immer noch zu viele Leute, die sich dagegen nicht versichern. Also, vielen Dank für den tollen Beitrag. Ich find es gut, dass jemand sich mal die Mühe macht und so eine Geschichte im Internet veröffentlich. Vielleicht hilft es, die Leute zum Nachdenken zu bringen. Weiter so…
Find ich gut, dass jemand mal so einen Fall schildert. Vielleicht regt es den ein oder anderen Besucher an, mal über seine Situation nachzudenken. Denn, gegen den Pflegefall Als Versicherungsberater redet man ja oft gegen Wände.